Vermittler sind auf dem Freiberuflermarkt allgegenwärtig. Neben den großen Big Playern haben sich in den letzten Jahren zahlreiche kleinere Anbieter etabliert. Doch so präsent sie auch sind – ich bin kein Fan davon.
Seit über 12 Jahren mache ich meine Erfahrungen mit Ihnen – leider keine positiven.
Warum das so ist, erfahren Sie jetzt.
Die typische Anfrage – ein Beispiel aus der Praxis
Vor Kurzem klingelte mein Telefon. Eine junge Vermittlerin war am anderen Ende der Leitung.
„Sind Sie gerade verfügbar?“
„Ja, aber wofür?“
„Ja, als Payroll Specialist!“
„Sorry, aber etwas mehr muss ich schon wissen. Am besten Sie schicken mir eine Projektbeschreibung.“
Kurze Zeit später lag die Beschreibung in meinem Email-Postfach. Der Titel: Payroll Specialist. Doch der Inhalt? Eine Liste von Aufgaben, die eindeutig einem Projektleiter zuzuordnen waren.
Ich wies die Vermittlerin auf die Diskrepanz hin. Ihre Antwort? „Die Projektbeschreibung haben wir einfach vom Kunden so übernommen, mehr weiss ich auch nicht.„
„Echt? Machen Sie keine Auftragsklärung?“ fragte ich nach. Doch ihre Reaktion war ernüchternd – offenbar nicht.
Die größten Probleme mit Vermittlern
Solche Erlebnisse sind kein Einzelfall. Meine Hauptkritikpunkte an Vermittlern sind:
1. Fehlende Fachkenntnis – besonders im Bereich Payroll
Viele Vermittler haben kaum Ahnung von den Aufgaben und Anforderungen in der jeweiligen Branche. Besonders im Bereich Payroll erlebe ich das immer wieder.
- Da wird eine Rolle als Payroll Specialist ausgeschrieben – aber was genau ein Payroll Specialist macht? Keine Ahnung.
- Der Klassiker: Immer wieder bekomme ich Anfragen als SAP HCM Berater – eine rein technische Funktion, die mit operativer Abrechnung nichts zu tun hat.
Wie soll jemand ohne Fachwissen beurteilen, ob ein Kandidat wirklich passt?
2. Keine Auftragsklärung
Ein Vermittler sollte zwischen Kunde und Freiberufler vermitteln – nicht einfach nur Mails weiterleiten. Eine professionelle Auftragsklärung gehört dazu:
- Welche Skills sind wirklich gefragt?
- Welche Aufgaben fallen konkret an?
- Welches System muss man kennen?
- Auslastung – Vollzeit oder Teilzeit?
Doch stattdessen landen oft unpassende oder fehlerhafte Projektbeschreibungen im Postfach.
3. Hohe Provisionen – oft bis zu 30 %
Vermittler arbeiten natürlich nicht umsonst. Doch viele verlangen Provisionen von bis zu 30 %, ohne dass ihr Beitrag diesen Anteil rechtfertigt.
- Der Freiberufler sieht von dieser Marge nichts – oft weiß er nicht einmal, wie hoch sie ist.
- Der Kunde zahlt mehr, oft ohne zu wissen, wie viel tatsächlich beim Freiberufler ankommt.
Das größte Problem: Der Wert, den der Vermittler wirklich bringt, steht oft in keinem Verhältnis zur Provision.
4. Keine Transparenz für den Kunden – die wahren Kosten bleiben verborgen
Nicht nur für den Freiberufler, auch für den Kunden sind die tatsächlichen Kosten undurchsichtig.
- Der Kunde bekommt einen All-in-Stundensatz präsentiert, in dem nicht nur das Honorar des Freiberuflers, sondern auch die Vermittlungsprovision enthalten ist.
- Zusätzlich werden oft Fahrtkosten oder Spesen einkalkuliert – ohne dass dies klar kommuniziert wird.
- Der Kunde sieht nur die Endsumme und fragt sich: „Warum ist die so teuer?“
Würde der Kunde wissen, dass 25–30 % dieses Betrags gar nicht an den Freiberufler gehen, sondern beim Vermittler hängenbleiben – er würde sich die Zusammenarbeit wohl zweimal überlegen.
5. Dreiecksverträge – Scheinselbständigkeit vermeiden? Wirklich?
Ein häufiges Argument für Vermittler lautet: „Durch Dreiecksverträge reduzieren wir das Risiko der Scheinselbstständigkeit.“ Klingt gut – ist aber in vielen Fällen Augenwischerei.
Denn was zählt, sind die tatsächlichen Arbeitsbedingungen – nicht, ob ein Vermittler dazwischengeschaltet ist.
- Weisungsgebundenheit? Dann bleibt das Risiko bestehen.
- Eingliederung in den Betrieb des Kunden? Dann hilft auch kein Vermittler.
- Fehlende unternehmerische Freiheit? Dann besteht weiter Gefahr.
Manchmal wird der Vermittler sogar als Schein-Arbeitgeber gesehen, was das Risiko nicht beseitigt, sondern nur verlagert.
Das Argument „Sicherheit vor Scheinselbstständigkeit“ ist also meist nichts weiter als ein Verkaufsargument.
6. Wettbewerbsklauseln – Die direkte Beauftragung bleibt tabu
Ein weiterer großer Nachteil: Viele Vermittler lassen sich in ihren Verträgen Wettbewerbsklauseln bestätigen.
Diese besagen, dass der Freiberufler nach Projektende nicht direkt mit dem Kunden zusammenarbeiten darf – oft für 12 Monate und mehr. Wenn die Klausel geschickt formuliert ist, dann eigentlich nie.
Was bedeutet das konkret?
- Der Kunde darf mich nicht direkt beauftragen, auch wenn wir gut zusammengearbeitet haben.
- Ein Folgeauftrag ist nur über den Vermittler möglich – selbst wenn dieser keinerlei Mehrwert mehr bietet.
- Der Kunde zahlt weiterhin hohe Vermittlungsgebühren, obwohl er längst selbst anfragen könnte.
Das ist weder für mich als Freiberufler noch für den Kunden sinnvoll.
Mein Fazit: Direkt ist besser
Ich arbeite lieber direkt mit Unternehmen zusammen. Das hat klare Vorteile:
✅ Bessere Kommunikation: Keine Missverständnisse durch Zwischenhändler.
✅ Klare Verträge: Ich weiß, worauf ich mich einlasse – und der Kunde auch.
✅ Faire Preise: Keine versteckten Provisionen oder unnötigen Zusatzkosten.
Und was ist mit der Scheinselbstständigkeit?
Auch in der Direktbeauftragung kann man sie vermeiden – durch eine klare Vertragsgestaltung und eine tatsächlich unternehmerische Tätigkeit.
Ein Vermittler macht die Zusammenarbeit nicht automatisch sicherer – oft sogar komplizierter.
Ich bleibe dabei – direkt ist besser und einfacher.